Fotografisches Manifest, New York Manhattan, 1987


(Not translated photograhic manifesto of 1987)
„Ich suche einen Weg aus der Album-Fotografie! - Wie fotografiert man New York, Paris, wie das Leben, wie die Liebe ... ? Macht man ein Buch, eine Luftaufnahme, dringt man mit einer Mikrokamera ins Herzinnere des Menschen? Was mich als Journalist und Pressefotograf anfänglich fasziniert hat, jene Bilder, die fotografische Verkleinerungen oder Vergrösserungen dreidimensionaler Momentwirklichkeit sind, fangen an mich zu beengen.
Ist etwa die Malerei heute noch beflissen, Momentwirklichkeiten dieser Welt abzumalen, „abzulichten"? Gibt es nicht andere Inhalte und andere Möglichkeiten? Wann wird der Fotograf endlich zum Künstler, zum Van Gogh, zum Kandinsky. Bilder, die im Geist aufsteigen, von einer Stadt und ihrem Geruch, von einer Liebe und ihrem Hauch, sind immer Abstraktionen. So sind meine neuesten Fotografien Symbole der Zeit im Massstab 1:1, entnommen einer Realität, die mit den Augen des Künstlers gesehen und komponiert, Werke ergeben, die innere Bilder herauf beschwören. Ich fordere deshalb: Freie Bahn für eine neue Form der Kunst, die Fotografie!
Die Urangst der Galeristen und der Kunstjuroren vor der Farbfotografie (aus verschiedenen Gründen) mögen einige Fotografen und viele Sammler und Kenner dazu bewegen, dem Schwarz- Weiss-Bereich in der Fotografie den Vorzug zu geben. Ich leide darunter. Doch ich werde deshalb von meinem Weg nicht abweichen. Als Künstler muss ich für die Farbfotografie kämpfen, wie man für Farbe in der Malerei kämpfen müsste, wäre sie dort nicht bereits unersetzlich.
Es ist tausendmal schwieriger einen hervorragenden Farbprint zu schaffen als einen schwarz-weiss Abzug, weil hier unverhältnismässig mehr künstlerische Komponenten beherrscht werden müssen als im Graubereich. Zudem ist die Gefahr in den Abgrund der Banalität zu stürzen bei der Farbfotografie riesengross. Ich hoffe, mit meinem 1:1-Konzept, welches ja in Gebiete formaler Abstraktion vorstösst, die Berechtigung, ja die überwältigende Notwendigkeit und Einmaligkeit der Farbe in der Fotografie unter Beweis zu stellen."

Rolf Eichenberger, 1987