"Paris Bercy" Paris, 1987


"In 1987 on my strolls through Paris I discovered "les Entrepôts de Bercy", which was already shut down behind a fence and in decay. It was a place like Soho, full of atmosphere, even now when abandoned. I was fascinated by the traces left, subjects for my camera to compose my new "1:1-Stills"..."
(Quotation/Zitat R.E.)


"Les Halles", der einstige "Magen von Paris", ist zum labyrinthähnlichen Tummelplatz für Mode-Freaks umfunktioniert worden. Viel ist den Hallen nachgeweint, viel Papier beschrieben worden. Nahezu unbemerkt, unbeklagt sind "les Entrepôts de Bercy", die alten Vorratskammern der französischen Hauptstadt, dem Erdboden gleichgemacht worden. Ein verwinkeltes und romantisches Handelszentrum, wo früher die Köstlichkeiten aus den Provinzen eintrafen und zur Verteilung für das nimmersatte Paris bereitgestellt wurden, lebt nur noch in der Erinnerung und in meiner Kunst.

"Warum treibt sich dieser Künstler in den Industrievierteln dieser Welt herum, auf den Docks von Genua bis Göteborg, den Schrottplätzen und Eisenbahnarealen von Berlin bis Zürich, in Industrieruinen, auf Ölraffinerien, in Banken und Bunkern, auf Märkten und alten Marktplätzen von Soho New York bis Bercy Paris? Gäbe es da nicht viel attraktivere Motive, wie das Edelweiss auf dem Mont-Blanc, die Giraffe in Kenia, der Schlaraffe im Wunderland oder der Sandstrand auf Helgoland?"

Sicher! erwidere ich. Da wäre auch noch die schöne Hure am Montparnasse, die Transvestiten in der Falkland Road, die verwitterten Nomaden in Kurdistan. - Eigentlich suche ich keine Erklärung für die Faszination, die ich beim Anblick rostiger, ausgedienter Eisenbahngeleise mit dazwischen im Schotter wuchernden Kamillen-blüten empfinde; keine Begründung für die innere Erregung vor dem gigantischen Rohrwirrwarr einer Ölraffinerie oder den zufälligen Collagen an einer wilden Plakatwand.

Ist es vielleicht dasselbe Gefühl, dass der Archäologe bei der Entdeckung einer Höhlenmalerei von 2000 vor Christus empfindet oder beim Fund einer Pfeilspitze aus der Pfahlbauerzeit, beim Bergen einer versunkenen Amphore der alten Kreter? - Vielleicht? Immer geht es dabei um Spuren. Spuren, die Menschen und ihre Arbeit hinterlassen haben.

Bin ich ein Spurensucher auf den Fährten jener Menschen, die durch ihre alltägliche Arbeit einer Gegenwart ihren Stempel aufgedrückt haben? - Vielleicht? Denn jeder Mensch, der etwas tut, hinterlässt auf dieser Welt bewusst oder unbewusst Spuren. Und diese Spuren sprechen für mich eine beredte, eine faszinierende Sprache. In den Spuren finde ich den Menschen. Zeige mir die Spuren, und ich sage dir, wer sie gemacht hat!

In diesem Sinne bin ich ein Dokumentalist des Banalen, jenes Banalen und Alltäglichen, welches für mich eine symbolische Bedeutung und eine ureigene Ästhetik hat. Indem ich jene ausgesuchten Banalitäten, jene "objets trouvés" oder "ready mades" ihrer Umgebung entreisse und als Kunst im Massstab 1: 1 an die Wand hänge oder in den Raum stelle, wird ihre symbolische Bedeutung offenbar. Die entscheidenden künstlerischen Aktivitäten sind: 1. die Entdeckung; 2. die Auswahl; 3. die Komposition oder Anordnung (Ausschnitt); 4. die Präsentation; 5. die Interpretation. Den letzten Punkt überlasse ich oft dem Betrachter, der manchmal ganz Erstaunliches aus meinen Werken herausliest.

1987 stiess ich also - auf einem meiner regelmässigen Trips durch die Industrieviertel der Grossstädte - mehr oder weniger zufällig auf die "Entrepôts de Paris Bercy". Ich entdeckte sie zuerst auf meinem Faltplan von Paris im 12. Arrondissement zwischen dem "Gare aux marchandises de Reuilly" und der Seine, direkt an die Schienenstränge des "Gare St.-Nicolais" und des "Gare de Bercy" und früher wohl die Anliegestellen der Kanalschiffahrt auf der Seine "angedockt". Enge Strässchen mit so klingenden Namen wie "Rue Laffitte", "Chemin St. Emilion", "Rue des Maconnais" konnten nur Gutes verheissen und weckten meinen Entdeckergeist. Mit der Metro 6 fuhr ich zur Station Bercy. Dann folgte ein Fussmarsch durch ein wenig belebtes Stadtgebiet. Zwar war es Freitag Nachmittag und zwei Uhr, aber ich versprach mir trotzdem einen lebhaften Betrieb in den "Entrepôts".

Anstatt auf Menschen stiess ich jedoch auf eine riesige Umfassungsmauer, die Gefängnis-, ja, ghettogleich die "Depots von Bercy" umschlossen. Die wenigen Tore waren verriegelt, und wo ich nach Klettereskapaden oder Augezukneifen einen Blick ins Innere des Areals werfen konnte, schien alles verlassen und menschenleer. Um so mehr packte mich eine künstlerische Unrast. Ich wusste, hier musste ich hinein, hier gab es etwas zu sehen und zu erleben, das morgen der Vergessenheit anheimfallen würde. Schliesslich gelang es mir und meiner Begleiterin, mitsamt Fotoausrüstung über ein Gitterrtor zu klettern. Und wir landeten in einer Geisterstadt, in einer ausgestorbenen "Goldgräberstadt" mitten in Paris! Doch das "Gold", das man früher hier fand, floss aus dem regen Handel mit den essbaren Köstlichkeiten aus den reichen Provinzen Frankreichs, die hier ankamen, gelagert und ins unersättliche Maul der unersättlichen Metropole gestopft wurden.

Unzählige Baracken, kleinere und grössere Häuser, Rampen, Büros, überwucherte Geleise, Strässchen und Wege, Plätzchen und Plätze versehen mit Inschriften, Anschriften, Plakaten und Tafeln, zeugten vom einst regen Leben und Wirtschaften in diesen "Entrepôts". Doch jetzt gähnende Leere: eingeschlagene Fenster, lose baumelnde Türen, abgebröckelte Inschriften, überwucherte Firmennamen, Totenstille.

Ich war gebannt und stürzte mich wie versessen in die Arbeit, fanatisch, unermüdlich als ob ich die Bagger der Abreisstrupps schon im Rücken spürte. Das sterbende Paris Bercy war für meine eben entdeckte 1:1-Fotokunst prädestiniert."

A few "1:1-Stills emulsion on canvas" of Paris Bercy are still in possession of the artist, all of them unique originals of big formats. A very big one 3 x 3 meters is not yet finished and will only be completed on request.

Einige wenige der 1:1-Fotokunstwerke Emulsion auf Leinwand aus "Paris Bercy", alles signierte "unvergängliche"Originale in Grossformaten, sind heute noch im Besitz des Künstlers und nachstehend aufgeführt. Einige Riesen-Bilder wie das Bild "Alfred Gerin", gigantische 3 x 3Meter gross, sind noch nicht ausgeführt und werden nur auf Bestellung realisiert.

Works in possession of the artist / Werke im Besitz des Künstlers:
"Collage", Paris Bercy 1987,
Emulsion on canvas (about 24:36 inches)
Emulsion auf Leinwand 60 x 90cm
"Fenêtre blanche", Paris Bercy 1987,
Emulsion on canvas(about 30:45 inches)
Emulsion auf Leinwand 75 x 112cm
"love is not a ghost", Paris Bercy 1987,
Emulsion on canvas(about 30:45 inches)
Emulsion auf Leinwand 72x 110cm
"Vitre casée rose", Paris Bercy 1987,
Emulsion on canvas(about 30:45 inches)
Emulsion auf Leinwand 72x 110cm
"Porte verte", Paris Bercy 1987,
Emulsion on canvas(about 24:36 inches)
Emulsion auf Leinwand 60 x 90cm
"Sang chaude", Paris Bercy 1987,
Emulsion on canvas(about 30:45 inches)
Emulsion auf Leinwand 75x 112cm
Work in two parts/2-teiliges Werk "Composition l'herbe",
Nouveau Paris Bercy 1987,
Emulsion on canvas(about 30:45 and 24:34 inches)
Emulsion auf Leinwand 75 x 110cm u.60 x 85cm
Three not yet completed work on request
Drei noch nicht fertiggestellte Werke auf Anfrage.
Example / Beispiel "Alfred Gerin", Paris Bercy 1987,
Emulsion on canvas (circa 120:120 inches)
Emulsion auf Leinwand 300 x 300cm
Preise auf Anfrage
prices on request