Projekt "St(z)ille Szenen", Berlin


"The complex exhibition project "silent sceneries" found its setting in the city of Berlin of the ending millenium. It is connected to the not wellknown photographs of the famous German painter Heinrich Zille who lived in Berlin in a time around 1900. My photographs show sceneries of a disappearing Berlin reflected in concentrated "1:1-stills". For details cf. the following German text."
(Quotation/Zitat R.E.)


Das Ausstellungs-Projekt „St(z)ille Szenen" dreht sich um das Berlin der Jahrtausendwende. Es knüpft an Zilles weitgehend unbekannte Fotografien der Jahrhundertwende und zeigt Szenen eines verschwindenden Berlins mit dem künstlerischen Mittel Rolf Eichenbergers, der 1:1-Fotografie, aufgenommen in einer Umbruchsstimmung, die der Künstler wiefolgt umschreibt:
„Europas neue Mitte. Kein Stein bleibt auf dem andern. Im Schmelztiegel zwischen Ost und West herrschen soziale Unrast und Spannungen. Knapper Staat und knappe Arbeit schaffen ein Klima der Unsicherheit. Der Wandel beängstigt und begeilt zugleich. Gewinner und Verlierer stehen Aug' in Aug'! Jeder kämpft für sich. Jeder will ein Stück vom Kuchen. Doch Lust und Frust gehen Hand in Hand. - "Zwanzigerjahre" neu aufgelegt? - In der Hektik des Alltags und im Banne der grossen Pläne sind solche Reflexionen nicht gefragt, wird der Augenblick kaum wahrgenommen. Jeder schwimmt oder rudert wie wild. Keiner hat Zeit innezuhalten. Man könnte ja absaufen und: Morgen ist ohnehin alles anders! Nur keiner weiss dann mehr, wie es eigentlich war."
In den Achzigerjahren schuf Rolf Eichenberger mit dem Mittel der inszenierten Fotografie unvergessliche Interpretationen einer „Inselstadt ohne Zukunft", deren nahezu visionärer Charakter erst heute erkennbar wird. Diese Portfolios sind bereits Kunstgeschichte.
In den ausklingenden Neunzigerjahren wird er unter dem Eindruck eines sich verlierenden Berlins zwischen Krise und Zukunftsbauwut zum Suchenden auf den Spuren einer neu-alten Berliner Identität. Es entstand so ein fotokünstlerisches Dokumente einer Stadt, in welcher zwischen zu viel Vergangenheit und zu viel Zukunft, die Gegenwart zu kurz kommt.
Aehnlich wie Zille, in seinen weitgehend unbekannten Fotografien aus dem Berlin der Jahrhundertwende, suchte Rolf Eichenberger (oberflächlich gesehen) banale szenische Winkel im Alltags-Berlin der Jahrtausendwende. Die atmosphärisch dichten Bilder ziehen den Betrachter in ihren Bann, faszinieren durch ihre Ambiance und Vergänglichkeit. Unwillkürlich fängt dieser an, seine eigenen Geschichten in die Bilder hinein zu interpretieren. Sie werden zu Kulissen für seine Vorstellungen.
Der Künstler jedoch geht einen Schritt weiter. Er reduziert die Symbolkraft dieser „st(z)illen Szenen" auf einen kleinen Ausschnitt, bearbeitet ihn digital und deklariert diesen als Kunst. So entstehen die 1:1-Werke Rolf Eichenbergers, diesmal in Form von Leuchtbildern, hinterstrahlte Giganto-Dias ca. 125 x 200 cm gross, eben im Massstab
1:1 zur Realität, der sie „entnommen" wurden. Sie symbolisieren Berlin im „Abbruch und Umbruch" der Wendezeit. Erstmals zeigt der Künstler in der Ausstellung, woher die 1:1-Bilder stammen, indem er auf „dokumentarischen" Prints von ca. 80 x 120 cm die „Totalen" zeigt, worauf die 1:1-Motive (siehe nachstehende Beispiel) markiert sind.

Der Zille-Aspekt
Das Projekt hat noch einen zweiten Künstler. 1996 hat Rolf Eichenberger Heinrich Zille - den bekannten Maler des Berliner Miliös - als Zille den Fotografen wiederentdeckt und dabei gewisse Parallelitäten konstatiert.
Auch Zille fotografierte in einer Wendezeit, der Jahrhundertwende. Auch er fotografierte in Berlin, auch er scheinbar unbedeutende stille Szenen meist ohne Menschen. Denn während Zille zeichnerisch beim Menschen, beim Miliö verblieb, löste er sich fotografisch von diesen Motiven. Schon 1887 fängt er an, sich für die „Hintergründe", sprich Kulissen zu interessieren. 1898 entstand eine Serie von den wilden Müllkippen in Charlottenburg. Nun folgten interessante "menschen-leere" Ansichten: 1898 "Putzgerüst", 1899 "Kiesgrube", 1900 "Fabrik", 1900 "Eingang Schützenzelt", 1900 "Treppenaufgang", 1901 "Sargmagazin", 1901 "Kindergrafik" (Grafiti), 1901 "Backsteinmauer".
Von 1902 bis 1908 sind nicht viele Fotografien von Zille bekannt. Von 1908-1912 entstehen Bilder, die man irrtümlicherweise als Architektur-Ansichten bezeichnete. In Wirklichkeit sind es "stille Szenen" von Berlin: Berliner Strassen, Häuser, Plätze, Winkel, Gassen, Läden, Mauern, Gärten meist menschenleer, aber gerade deshalb interessant, stimmungsvoll, aussagekräftig.


The project "St(Z)ille Szenen" set in Berlin shows on the one hand the "1:1-stills" as giant luminous pictures of about 50:80 inches (signed originals). They symbolize a disappearing Berlin at the end of the the millenium. On the other hand there are the sceneries (total views in form of prints, of about 32:48 inches) where the "1:1-stills of Rolf Eichenberger had been taken. Cf. the examples below. The works are intellectually related to the photographs taken by Heinrich Zille at the last turn of the century: around 1900.

Nachstehende Beispiele zum Berliner Projekt „"St(z)ille Szenen" sind alles Unikat-Originale geplant als Leuchtgigantos im 1:1-Format 125 x 200cm, signiert R.E./ 1998, immer mit dem dazugehörigen dokumentarischen Print 80 x 120cm der „Totalen Szene".

Ursprünglicher Projektablauf für Berlin

Ursprünglich war das Kunst-Projekt für Berlin geplant und umfasst folgende Hauptaktivitäten:

  1. Zum Auftakt sollten einige der 1:1-Bilder in einer Berliner Tageszeitung farbig publiziert und mit einem Wettbewerb für die Leserschaft verknüpft werden. (Wettbewerbsfrage: Wo wurde dieses Bild aufgenommen? Machen sie dasselbe Foto und schicken Sie es an die Redaktion!) So sollte das Berliner Publikum für die st(z)illen Szenen seiner Stadt sensibilisiert und auf die folgende Ausstellung aufmerksam gemacht werden.
  2. Dann sollte die Eröffnung, die Vernissage der Ausstellung „St(z)ille Szenen - Wendezeiten in Berlin" erfolgen, in deren Mittelpunkt die rund 12 Giganto-Leuchtbilder gestanden wären sowie die dokumentarischen Prints der „Totalen".
  3. Ferner wären gleichzeitig jene unbekannten Fotografien von Heinrich Zille gezeigt worden, die man als Vorläufer für dieses Projekt bezeichnen könnte.
  4. Während der Dauer der Ausstellung wäre mindestens ein szenisches Happening am Aufnahmeort einer st(z)illen Szene mit Theater, Tanz, Musik oder Diskussion vorgesehen gewesen, direkt übertragen von einer Berliner TV-Station.